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Drachenflieger-Latein

Wie in vielen anderen Bereichen, haben natürlich auch die Drachenflieger eine eigene Sprache bzw. Begriffe die sich dem uneingeweihten Trickflug-Anfänger nicht auf Anhieb ergründen wollen. Neben den vielen englischen Fachausdrücken gibt es noch eine Reihe weiterer Wörter des Kiter-Jargons die wir hier erläutern wollen:

Aldibomber (AldiBo)

Dies ist ein Sammel-Begriff für i.d.R. sehr preiswerte Lenkdrachen aus Discounter-Angeboten. Die Flugeigenschaften entsprechen in aller Regel dem Preis und das minderwertige und verhältnismäßig schwere Material (daher Bomber) verlangt nach einer gehörigen Portion Wind. Diese Drachen eignen sich lediglich für die allerersten Flugversuche an der Küste bei steifer Brise oder bei aufkommenden Herbststürmen im Binnenland. Mehr als Kreise und Achten fliegen ist mit diesen Teilen meist auch nicht drin. Dafür überstehen sie aber die unvermeidlichen Abstürze (siehe Spatenlandung) meistens unbeschadet. Für den eher moderaten und unsteten Binnenlandwind sind sie aber gänzlich ungeeignet und verbreiten oft mehr Frust als Lust. Unser Rat: Finger weg von den billigen Discounterdrachen


Bikini

Wer nun vermutet, das es sich hierbei um Bademode für Drachen handelt, liegt völlig daneben. Bei den Bikinis, auch Flaps genannt, handelt es sich um eine Art der so genannten Bremssegel. Diese sind meist aus Gaze und werden, abhängig vom Drachen, auf unterschiedliche Art vor den Drachen gespannt um diesem im wahrsten Sinne des Wortes den Wind aus dem Segel zu nehmen.


Ballett

Keine Angst, der Anblick von Piloten in Tutus (frz. sprich: Tütü) die zu klassischer Musik hüpfen bleibt einem erspart. Als Ballett bezeichnet man das Drachen-Fliegen eines oder mehrer Piloten zur Musik, wobei sich die Drachenbewegungen möglichst im Einklang mit der Musik befinden sollten. Fliegen mehrere Piloten gleichzeitig so sollten die Bewegungen und Richtungsänderungen ebenfalls gleichzeitig erfolgen oder aber wie bei einem richtigen Ballett zu einem harmonischen Ganzen zusammen finden. In Wettbewerben werden Choreografie und exakte Ausführung benotet.


Eddy

Hierbei handelt es sich nicht etwa um den Wiesenkumpel Eduard, Edward oder Edmund, sondern als Eddy wird die allen bekannte Rautenform des Drachens bezeichnet, der seinen Namen von seinem Entwickler William A. Eddy erhielt. Weitere Informationen zum Eddy gibt es im DrachenWiki


Einleiner

Nein, es geht hier nicht um diese Dinger mit Rollen, die an die Füße geschnallt werden - die heißen Inliner. Hingegen werden Drachen, die nur eine Leine besitzen, so genannt. Solche Einleiner gibt es in den unterschiedlichsten Formen, Farben und auch Größen. Auch funktionell sind sie zu unterscheiden. Die einen sollen "nur" schön am Himmel aussehen, andere dienen als Schleppdrachen, die an ihren Leinen andere Figuren und Leinenschmuck nach oben ziehen. Wieder andere fliegen oder besser schweben auch dann, wenn kein Wind herrscht und lassen sich im Gegensatz zu den "normalen" Einleinern auch steuern.  


Fieldcard

Fieldcards beinhalten nicht etwa Lagepläne von geeigneten Drachenflugfeldern, sondern sind oftmals auf Plastikkärtchen gedruckte Angaben zum jeweiligen Drachen. Diese Fieldcards beinhalten in aller Regel neben Maßangaben, auch Informationen zum verwendeten Gestänge und zum Windbereich des Drachens, in denen der Lenkdrachen nutzbar ist. Des Öfteren werden diese Angaben aber auch in gedruckter Form dem Drachen beigelegt.


Manöver

Hierbei handelt es sich nicht um die kriegerische Ausbildung eines Verbandes militärischer Lenkdrachen. Vielmehr bezeichnet dies die Lenkbewegung[en] (engl. move[s]) um einen Drachen dazu zu bewegen, einen bestimmten Trick zu vollführen.

Ready to fly (rtf)

Dies beschreibt nicht etwa einen Piloten kurz vor dem Start, sondern ist die Bezeichnung für Drachen die im Bundle mit Leinen und Hand-/Fingerschlaufen, also flugfertig, vertrieben werden. In den meisten Fällen sind die beigelegten Leinen jedoch nicht allzu hochwertig, genügen aber Einsteigeransprüchen. Daher sind rtf-Angebote regelmäßig nur bei Drachen der unteren bis mittleren Preisklassen zu finden.


Slack

Slack ist ein englischer Fachbegriff und bedeutet Durchhang. Gemeint ist der Leinendurchhang, der bei vielen Tricks nötig ist, damit sich die Leinen nicht am Drachen verfangen. Slack gibt man, indem man die Leinenspannung wegnimmt, also durch Strecken des Armes oder auch Schritt(en) nach vorn ein Durchhängen der Leine(n) bewirkt. Ob nur eine oder beide leinen und wieiviel diese durchhängen müssen, hängt vom Trick ab, den man fliegen möchte. Anfänger geben oft zu wenig. 


Std./UL/SUL/Vtd.

Std. ist die Abkürzung für die Standard-Ausführung eines Drachens. Dieser ist für normale, also für Standard-Windverhältnisse ausgelegt. Ultraleichte (UL) und super-ultra-leichte (SUL) Kites sind durch leichteres Gestänge und sonstige Gewichtsoptimierungen für den Wenigwind- bis hin zum Nullwind/Indoor-Bereich getrimmt. Die Vented-Version (Vtd.) hingegen ist für höhere Windbereiche erdacht, bei denen die Std.-Version im wahrsten Sinne des Wortes die Flügel streichen muß. Diese ventilierten Drachen haben Öffnungen durch die der Wind ungehindert hindurch kann. Dies vermindert den Druck auf das Segel und erlaubt das Tricksen auch in höheren Windbereichen.


Spatenlandung

Die Spatenlandung ist der Einsteiger-"Trick", den die meisten Menschen auch ohne Anleitung und Übung perfekt beherrschen. Dabei wird der Lenkdrachen senkrecht von oben nach unten Richtung Boden geflogen. Unterstützend werden die Arme dabei dann ruckartig nach oben hinter die Ohren geworfen, um den Drachen weiter zu beschleunigen. Zum krönenden Abschluß bohrt sich alsdann der Drachen einem Spaten gleich mit der Nase zuerst in den Boden. Ist der Boden weich genug und war der Schwung ausreichend, so bleibt der Kite evtl. sogar in dieser Position stehen und kann als abschreckendes Beispiel dort belassen werden.Zwinkern
Das man diesen "Trick" besser nicht wirklich übt, versteht sich wohl von alleine. Dennoch wird man ihn hin und wieder ausführen - garantiert!

Tipp: Droht der Drachen in den Boden zu krachen, dann die Arme blitzschnell nach VORNE werfen und möglichst gleichzeitig auf den Drachen zugehen oder -laufen um einen Strömungsabriß herbeizuführen und so den Aufprall stark zu mindern oder gar zu verhindern.


Transe

Nein, dies ist kein weiblicher Pilot gefangen im Körper eines männlichen (oder umgekehrt). Vielmehr handelt es sich um die liebevolle Abkürzung für die "Transfer"-Kites der französischen Drachenschmiede L'Atelier.


Trickschleuder

Eine Zwille mit der mittels Tricks auf Spatzen geschossen wird? Nein, es handelt sich vielmehr um Trickdrachen, die in erster Linie für das Freestyle-Trickfliegen konzipiert wurden. Dem Könner gelingt es damit, scheinbar mühelos und ohne großen körperlichen Aufwand, eine Trickkombination an die nächste zu reihen. Manche Piloten bemängeln jedoch bei solchen reinen Trickdrachen die fehlende Präzision, als auch manchmal die fehlende Eleganz bei der Ausführung von Tricks. Also je nach Blickwinkel bzw. Vorlieben des Piloten kann es sich bei diesem Ausdruck um ein Lob oder aber um eine Abwertung handeln.


Turbo-Waage

Eine Waage mit zuschaltbarem Turbo, um den Kite zu beschleunigen, wurde bislang noch nicht erfunden. Jedoch gibt es Waagekonstruktionen, die über sogenannte Turboschenkel verfügen, welche einen dynamischen Waagepunkt ermöglichen. Trickdrachen sollen dadurch bei bestimmten Mänövern agiler werden. (Weitere Infos: DrachenWiki


Walk of Shame

Als ironische Anspielung auf den Walk of Fame (engl.: Weg des Ruhms) handelt es sich bei dem Weg der Schande um den Weg, den der Pilot antreten muß, wenn sein Drachen nach einer ungewollten "Landung" nicht mehr zu einem Neustart zu bewegen ist, ohne das Hand angelegt werden muß. Speziell am Anfang der Trickflugkarriere bieten diese häufigen Spaziergänge dem gute Gelegenheiten, um die Absturzursachen zwecks künftiger Vermeidung zu ergründen.


Wickelsau

Wem hierbei ein noch nicht stubenreines weibliches Schwein in den Sinn kommt, der liegt selbstredend weit daneben. Der Begriff bezeichnet einen Drachen der Wickeltricks, also Tricks bei denen der Drachen sich um die eigene Horizontalachse dreht (z.B. YoYo) und dabei von den Leinen eingewickelt wird, relativ leicht ausführt. In Hinsicht auf diese Wickelfähigkeit unterscheiden sich die Trickdrachen oft stark. Speziell Drachen die für wenig Wind (UL/SUL) konzipiert wurden, haben auf Grund ihrer fehlenden Schwungmasse mit diesen Tricks oftmals ihre Schwierigkeiten.


Winder

Bei einem Winder (engl., sprich: Weindä) handelt es sich um ein Hilfsmittel zum Aufwickeln der Leinen. Im Gegensatz zu Plastikspulen oder Haspeln werden die Leinen i.d.R. in Form einer Acht (über Kreuz) aufgewickelt, was das Verdrillen der Leinen verhindert.
Einen sehr interessanten Artikel über den Ockert Multiwinder gibt es hier: meindrachen.de


Zweileiner

Nicht diese Kutschen mit den zwei Pferden davor sind gemeint, die heißen Zweispänner. Wie der Name vermuten läßt, handelt es sich bei Zweileinern um Drachen, die mit zwei Leinen gesteuert werden. Die Zweileiner gibt es in der bekannten Dreiecksform (Deltas) mit Stäben oder auch als Matten. Im Gegensatz zu den Einleinern lassen sich Drachen mit zwei oder mehr Leinen mehr oder weniger präzise steuern und werden daher auch als Lenkdrachen bezeichnet. Die Delta-Kites kann man wiederum grob in Einsteigerdrachen, Allrounder, Speedkites, Powerdrachen oder Trickdrachen (engl. stunt kites) unterteilen, wobei die letzteren wohl die funktionell am anspruchvollsten Drachen sind. Bei den Zweileinern in Mattenform handelt sich oft um (preisgünstige) Anfängermodelle oder besonders schnelle Funmatten, bei denen der Speed im Vordergrund steht.

Aktualisiert ( Freitag, den 18. Oktober 2013 um 16:40 Uhr )