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Maestro II
von Invento-HQ

Allrounder oder Einsteiger-Trickdrachen?

Nicht nur rein optisch, weiss der Maestro II zu gefallen. Auch seine Trickfähigkeit lässt für den Einsteiger keine Wünsche offen und der Könner wundert sich, was da für kaum mehr als 100 Euro ready to fly angeboten wird. Obwohl als Allrounder vom Hersteller angepriesen, sind wir der Meinung, dass er doch eher in die Kategorie "Trickdrachen für Einsteiger" gehört. Wir hatten Gelegenheit, den Maestro II auf Fuerteventura zu testen und wollen Euch die gewonnenen Eindrücke nicht vorenthalten. In Text und bewegtem Bild (siehe unten) bringen wir Euch den "Meister" näher. Zunächst ein paar unbewegte Bilder:

Der Maestro II wird in einem robusten und funktionalen Köcher [1] ausgeliefert, welcher sich praktischer Weise - dank der geteilten Leitkante des Maestro [2] - mittels Schlaufe und Klettverschluss auf ein flugzeugtaugliches Packmass reduzieren lässt. Ferner gehören Lenkschlaufen und ein Dyneema-Leinenset (25 m / 70 daN) [4] zum Lieferumfang. Diese als auch Aufbau-, Fluganleitung inkl. Sicherheitshinweisen, Fieldcard und Zusatzgewicht lassen sich in einer ebenfalls mittels Klett verschließbaren, Einschubtasche des Köchers unterbringen.

Lieferumfang Maestro II HQ-Invento

Der Maestro II wird mit einer Turbowaage ausgeliefert. Dank der Anleitung und der richtungsweisend beschrifteten Dynamic-T15-Stäbe [3] der unteren Querspreizen, sollte es auch für Neulinge kaum Probleme beim Aufbau geben. Der Drachen macht einen robusten aber nicht klobigen Eindruck. Die sauber verarbeiteten Materialien sind wertig und die Verarbeitung ohne Tadel. Saubere Nähte, keine Überstände oder lose Fäden, die zur Klage Anlass gegeben hätten. Die YoYo-Stopper-Clips, die sonst schon mal gerne verloren gehen, werden durch Kabelverbinder daran gehindert. Werkseitig ist der Maestro II mit einem 12 g-Heckgewicht bestückt. Für viel Wind und/oder besseres Wickelverhalten liegt ein zusätzliches 13 g-Gewicht [5] bei. Detailfotos:


Nur Schönling oder auch Könner?

Nach der optischen Inspektion ging es dann um die entscheidende Frage: Nur Schönling oder auch Könner? Getestet haben wir das mit einem climax-Profiline-Lenkset (55 daN / 38 m) der Firma Ockert. Den positiven K&f-Testbericht von Paul May im Hinterkopf, war der erste Eindruck allerdings etwas enttäuschend. Der Kite verhielt sich recht unpräzise, drehte nach und wollte manche Tricks partout nur mit "Gewalt" oder gar nicht bewältigen. Es dauerte ein wenig, bis es bei mir "Klick" machte. War da nicht noch was? Genau! Das zweite Heckgewicht schlummerte noch unverbaut im Köcher! Flugs das Zusatzgewicht installiert und siehe da, der Kite zappelte nicht mehr, kam sauber aus den Ecken und liess sich nun wesentlich bereitwilliger um Horizontale (YoYo's) und Vertikale (z.B. Backspin) drehen.

Also gedanklich nochmals alles auf Anfang gestellt: Der gleichmässige, auflandige Wind mag so um die 10-14 km/h gewesen sein, aber der Maestro fühlte sich wohl und entwickelte einen angenehmen, nicht zu heftigen Druck. Eigenbewegungen, um den Kite in der Luft zu halten, waren auch im unteren Windbereich selten nötig. Dies ist sicherlich speziell für Einsteiger ein nicht zu vernachlässigender Pluspunkt, denn so kann der lernende Pilot sich ganz auf den Drachen und die Lenkmanöver konzentrieren. Obwohl der Kite sich nun viel gefälliger verhielt, so passte es mir dennoch noch nicht so ganz. Der Maestro II verfügt über Knotenleitern an der oberen Leitkante, mit denen die Waageschenkel an wechselnde Windverhältnissen angepasst werden können. Also mal kurz die anderen Positionen getestet. Die Auswirkungen waren jedoch nicht wirklich zufriedenstellend, da zu extrem. Etwas gefälliger verhielt der Kite sich in der obersten Postion. Daher wurde kurzerhand ein zusätzlicher Knoten eingefügt, um den Schenkel nur geringfügig zu verkürzen und dann wieder auf den "Standard"-Knoten zurückgestellt. Und siehe da, nun fing es an, richtig Spass zu machen. Zwar lässt sich der Maestro II immer noch nicht, wie manch anderer moderner Trickdrachen, aus dem Handgelenk fliegen, aber dennoch waren die Lenk- und Laufwege erfreulich kurz, was sich bei 26-28 Grad doch recht positiv auswirkte.

Es gibt keine Position, in der sich der Maestro II nicht wohlfühlt, egal ob stabil im Fade oder tief im Turtle. Auf dem Bauch tellert er 540er, Slot- und Taz-Machines erstaunlich flach. Backspins scheinen werkseitig eingebaut zu sein und Axel-Cascaden können als Rock 'n Roll oder auch als langsamer Walzer "getanzt" werden. Flic Flac's gelingen leicht, wenn auch mit grösserem Höhenverlust, was wohl dem zusätzlichen Gewicht geschuldet ist. Aber seht selbst:

 

Einen Testbericht des Maestro II von Paul May wurde in der KITE & friends Ausgabe 1/11 veröffentlicht. Freundlicher Weise hat man uns diesen als ergänzende Lektüre in PDF-Form zur Verfügung gestellt: Download Testbericht K&f

Zusammenfassend bleibt zu sagen, dass der Maestro II wohl mit an erster Stelle zu nennen ist, wenn es um geeignete Kites für ambitionierte Trickflugeinsteiger oder -Aufsteiger geht. Neben der guten Verarbeitung und Robustheit überzeugt seine weite Bandbreite an Tricks und nicht zuletzt der attraktive Preis.

Technische Daten:

Segel: Ripstop-Nylon
Gestänge: Dynamic T15 (Untere Querspreizen) und 6 mm CFK-Kohlefaserrohr (Rest)
Spannweite: 228 cm
Standhöhe: 100 cm
Windbereich: 8-30 km/h (2-5 bft)
Zubehör: Lenkset (Dyneema 70 kp, 2 x 25 m auf Winder und Schlaufen), stabiler variabler Köcher, Zusatzgewicht 13 g
Preis (11/2012): € 119,00 rtf