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Aller Anfang ist schwer

Als Anfänger sieht man sich oft mit Problemen konfrontiert, die man zunächst gar nicht vorrausgesehen hat. Das gilt auch fürs Lenkdrachenfliegen.

Meine erste Frage lautete: wie soll ich einen Drachen auf dem Fahrrad transportieren, wenn er keine geteilten Leitkanten hat und dementsprechend im Köcher verpackt immer noch eine Länge von mehr als 1.5 Metern besitzt. Am ersten Tag habe ich mir den Köcher doch tatsächlich kurzerhand unter den Arm geklemmt und bin losgeradelt. Das macht wirklich keinen Spaß, zumindest dann nicht, wenn man gerne schnell Fahrrad fährt. Für ein bisschen mehr Vielfalt und größere Auswahl an Spots je nach Windverhältnissen möchte ich bei etwas mehr Zeit auch mal weiter fahren können und dafür ist dann ein Grundtempo von 25-30 kmh schon schön.

Seit meinem zweiten Ausflug binde ich den Drachen am Fahrrad fest. Dazu reicht ein kurzes Stück Seil. Der Köcher läuft dann hinten rechts vom Gepäckträger aus unter dem Oberrohr des Diamantrahmens nach vorne links, dort knapp an der Lenkstange vorbei. Er liegt dann meiner Fahrradtasche und meinem Fahrradschloss auf und ich kann ihn hinten am Gepäckträger mit dem Seil ein wenig festziehen.

Das geht ganz gut und die Befestigung dauert nicht lang.

Aber auch das Fliegen selbst wirft ungeahnte Probleme auf:

Wenn wenig Wind weht – noch dazu aus Westen und dementsprechend am Boden durch die Bäume fast gar keiner mehr – sollte man den Drachen wirklich zunächst ganz sanft aufrichten. Beim allerersten Startversuch habe ich voller Eifer an den Leinen gerupft und den Drachen prompt direkt in die Tot-Position gelegt – ein Walk of Shame noch bevor ich überhaupt einmal gestartet war, wie peinlich! ;)

Außerdem ist es schwierig, sich antrainierte Verhaltensweisen wieder abzugewöhnen. Durch die Hydra hatte ich zwar von Anfang an ein gutes Gefühl für die Pearl – habe aber immer in guter Lenkbar-Manier Combinationturns gemacht und immer die eine Hand nach vorne gedrückt und gleichzeitig die andere nach hinten gezogen – und mich gewundert, warum ich keine großen Kreise fliegen konnte, dafür aber die Loopings so scharf wurden, dass einem schon vom Zusehen leicht schwindlig werden konnte.

Also habe ich, sobald mir die Problematik klar war, einfach mal angefangen, mir mein schludriges Hydra-Bar-Steuerungsverhalten für die Pearl abzugewöhnen. Ich konnte sie (für mein Empfinden und mit den bescheidenen Ansprüchen eines Anfängers) wirklich sehr präzise steuern, sie reagierte immer genau dann und in dem Maße, wie ich mir das vorgestellt hatte. Für welchen Winkel man wie intensiv lenken muss hat man sehr schnell im Gefühl und man kann auch in der Praxis sofort nachvollziehen, was man sich vorher gegebenenfalls in der Theorie angelesen hat.

Direkt vom Start an fühlt man in den Leinen sehr gut, "was die Pearl gerade macht" (heute hatte ich zum Beispiel kein Problem damit , einen gelungenen Snap Stall genau zu spüren, oder den ganz kurzen Strömungsabriss bei scharfen Combination Turns am Windfensterrand einzuschätzen und ihm gegebenenfalls entgegenzuwirken).
Wie bereits erwähnt sind die Windverhältnisse in Bodennähe in Eldena selbst bei stärkerem Wind bescheiden, weil man bei ablandigem Wind einfach nicht genug Distanz zwischen Drachen und Deich/Bäume bringen kann. Zum Cartwheel üben fehlte mir dann am Anfang die Geduld, meine wenigen Versuche sind missglückt und so habe ich mich einfach auf normale Starts und Walks of Shame mit darauffolgendem Yoyo-Start beschränkt.

Bei meinen Walks of Shame habe ich jedoch eine weitere Erfahrung gemacht: Der Wind ist immer gerade dann am besten, wenn man zum Drachen laufen muss. Kaum liegt der Drachen wieder startbereit und man hat die Leinen aufgenommen, wird er wieder schlechter ;)

Alles in allem haben mir die ersten paar Flugtage aber immer eine Menge Spaß gebracht. Und die DLRG Rettungsschwimmer haben mir immer mal für eine ganze Weile zugesehen, also scheine ich auch als Anfänger mit der Pearl keine schlechte Figur gemacht zu haben (naja, zugegeben, was hat man als Rettungsschwimmer an einem leeren Strand bei 15°C und Regen auch besseres zu tun ;)). Ich würde also die Pearl auf alle Fälle wieder kaufen und sie auch jedem Einsteiger empfehlen.