Benutzerbewertung: / 0
SchwachPerfekt 

Eine kleine Bilanz

Oder: Wie wenig ich erst kann

Es ist faszinierend, als wie schwierig sich selbst Basis-Tricks herausstellen können. Neben Stalls und Slides fliege ich inzwischen auch Axel, Backflip und Pancake. Auf dem Boden übe ich mich an Cartwheels und Wing Tip Stands.
Anmerkung für Trickflugeinsteiger: Eine gute Übersicht über Tricks findet sich hier.
Jeder Trick stellt einen erneut vor ganz eigene Herausforderungen und Schwierigkeiten. Aber der Reihe nach:

Snap Stall
Da ohne ihn fast gar nichts geht, habe ich noch ganz zu Beginn mit dem Snap Stall angefangen. Ich habe ihn ja auch in vorherigen Einträgen schon mal erwähnt. Aber obwohl ich schon eine ganze Weile an ihm übe, ganz verinnerlicht habe ich ihn noch immer nicht. Man muss den Trick je nach Windstärke und Position im Windfenster ganz unterschiedlich fliegen. Mal kippt der Drachen wie von allein in die waagerechte und die Strömung reißt ab, mal muss man unglaublich zackige Combination Turns mit einigen Schritten nach vorne verbinden. Dadurch gelingt mir der Stall nicht immer auf Anhieb, ich muss mich an jedem neuen Tag wieder an die Gegebenheiten anpassen.

Side Slide
Bei sehr gleichmäßigem, leichtem Wind gelingt mir der Slide inzwischen relativ gut. Leichtes Gewackel kann ich nach wie vor nicht verhindern, aber im Groben und Ganzen bin ich meistens ganz zufrieden. Anders sieht es jedoch bei stärkerem und böigem Wind aus. Zum Einen sind meine Korrekturbewegung zu spät und dann zu groß. Dadurch ziehe ich dann letztlich so stark an den Leinen, dass die Pearl wieder an Fahrt aufnimmt und den Slide beendet. Darüber hinaus fällt es mir sehr schwer, mich nicht nur auf meine Arme, sondern zusätzlich auch noch auf die Beine zu konzentrieren. Wenn man den Slide weit am Windfensterrand anfängt, muss man oft erst einmal Rückwärtslaufen, sonst kommt die Seitwärtsbewegung sofort zum Erliegen. Aber ich müsste sehr bald sehr viel langsamer laufen und vermutlich sogar die Richtung wechseln und der Pearl einige Schritte entgegen gehen. Das will mir jedoch noch so überhaupt nicht gelingen, sodass um die Windfenstermitte herum immer spätestens Schluss ist mit Slide. Daran werde ich noch lange zu knabbern haben, fürchte ich.

Axel
Auch der Axel ist noch ein Fall für sich. Ich fliege ihn bisher fast nur am Windfensterrand, weil ich dort den Stall länger halten kann und so mehr Zeit habe, mich ein wenig zu sortieren, bevor ich den Axel einleite. Leider gelingt er mir nicht immer. Manchmal wackelt die Pearl einmal müde vor sich hin und nimmt dann mit einem Ruck wieder Fahrt auf. Manchmal legt sie sich Pflichtbewusst auf den Bauch, macht eine Vierteldrehung (so weit so gut) und klappt dann zur Seite weg und rotiert mit rasanter Geschwindigkeit um ihre eigene Achse. Dabei wickelt sich dann eine der Leinen um den Yoyo-Stopper und ich kann den Drachen nur nach Walk of Shame und mit ein wenig Geduld wieder aus dem Leinen-Gewusel befreien.
Meistens gelingt es mir, die Pearl um etwas mehr als 180° zu drehen, danach kippt sie zur Seite, richtet sich dann wieder auf und nimmt normal Fahrt auf. Damit kann ich dann in der Regel leben. Wirklich schöne, vollständige Drehungen, die dazu noch einigermaßen Flach sind, klappen dahingegen nur sehr selten. Aber wenn, dann entlocken sie mir jedes Mal ein äußerst zufriedenes Grinsen.
Immerhin kann ich den Axel auch auf beiden Seiten fliegen. Das linke Windfenster ist zwar meine Schokoladenseite, aber auch rechts funktioniert es (mit obigen Einschränkungen).

Backflip
Der Backflip "passierte" mir zunächst mehr, als dass ich ihn aktiv ausgeführt hätte. Ganz zu Anfang hat mich das ziemlich auf die Palme getrieben, weil ich jedes Mal hilflos zugesehen habe, wie die Pearl plötzlich nach hinten klappt, der Zug aus den Leinen verschwindet und der Drachen langsam aber sicher zu Boden sinkt. Irgendwann bin ich dann dahintergekommen, wie einfach es ist, ihn wieder aus aus der Rückenlage herauszuziehen. Und schließlich habe ich angefangen, den Backflip absichtlich zu provozieren. Ich mache die Bewegung auch jetzt noch oft zu zaghaft, aber prinzipiell funktioniert es ganz gut, sodass der Trick mir in 75% der Fälle gelingt.

Pancake
Der Pancake ist ein Trick, der mir sehr schwer fällt. Ich habe ziemlichen Respekt davor, die Pearl ungewollt auf den Boden crashen zu lassen. Schon meine "Groundpass"-Manöver fliege ich immer ein ganzes Stück zu hoch. Dadurch bleibt mir bislang als Landemanöver auch nur der Windfensterrand (bei starkem Wind) oder ein zügiges "Vom-Himmel-Laufen" des Drachen, wenn der Wind das denn zulässt. Eine Pancake-Landung würde meine Möglichkeiten erweitern, bisher ist mir aber noch nie eine gelungen. Aber ich übe fleißig und einige Male ist der Drachen auch tatsächlich schon auf den Bauch gekippt (und vor Schreck habe ich sofort wieder an den Leinen gezogen und ihn in hektischer Drehung wieder gen Himmel gelenkt). Irgendwie misfällt es mir sehr, meine Arme nach vorne zu werfen (schließlich verliere ich dadurch kurzzeitig die unmittelbare Kontrolle über den Drachen), wenn die Pearl gerade mit der Nase nach unten in Richtung Boden saust. Aber wenn man dieses Manöver zu zaghaft/vorsichtig angeht, dann klappt es einfach nicht...

Wing Tip Stand
Auch dieser Trick ist bei mir ein Fall für sich. Er erfordert, wenn der Drache erstmal gelandet ist, immernoch einiges an feinfühliger Kontrolle und damit Übung. Aber wie bereits erwähnt, fliege ich nur selten einen Groundpass, der tief genug wäre, um dann ein Bodenmanöver einzuleiten. Somit erreiche ich nur selten, dass die Flügelspitze auf dem Boden aufkommt. Und je seltener ich diese Grundstellung erreiche, desto weniger kann ich die nachfolgend nötigen Bewegungen üben ...

Cartwheel
Last but not least... Am Cartwheel habe ich mich schon sehr früh versucht. Der Drachen landet doch recht häufig auf einer der Leitkanten oder dem Bauch mit Nase nach hinten. Hier kann das Cartwheel durchaus nützlich sein. Es hat eine ganze Weile gedauert, überhaupt eine Drehung hinzubekommen. Inzwischen gelingt es mir meistens recht zügig, den Drachen wieder startklar aufzurichten. Von einem "Cartwheel" kann aber wirklich keine Rede sein. Eigentlich sollte die Pearl über die Leitkanten rollen und sich über die Wing Tip hinwegdrehen, um dann richtig herum aufzukommen. Bei mir kippt sie dabei unkontrolliert nach hinten, eiert ein wenig um sich selbst und ich muss sie schlussendlich irgendwie noch über den Boden schleifend zurecht ziehen und bei alledem noch hoffen, dass sich die Leine nicht unter/hinter der Flügelspitze verklemmt ... Somit erfüllt das, was ich da mache, zwar seinen Zweck (ich kann wieder starten), aber schön sieht's nicht aus und wenn mal scharfe Muscheln im Weg liegen, mache ich mir im Zweifelsfall sogar noch das Tuch kaputt. Im Gegensatz zu allen anderen Tricks fällt mir aber beim Cartwheel bisher auch einfach nichts ein, was ich anders machen könnte... Ich muss wirklich nochmal versuchen, mir mit ein paar Tutorials und Videos klar zu machen, wo meine Fehler liegen.

So viel also erstmal zu meinem jetzigen Stand.

Einer der größten Nachteile an Greifswald ist wohl das Fehlen erfahrener Trickflugpiloten, die einem mit Tipps zur Seite stehen können. Natürlich kann man im Internet vieles nachlesen und sich auch eine Menge selbst aneignen, trotzdem wünsche ich mir oft, dass mir jemand ganz unmittelbar nach einem misslungen Trick sagen können, woran es gelegen hat. Vielleicht komme ich ja irgendwann einmal dazu, ein Drachenfest zu besuchen.
Bis dahin übe ich weiterhin fleißig alleine. Ich bin gespannt, wie weit ich in der nächsten Zeit so komme. Und ich freue mich auf eine baldige Erweiterung meiner Drachentasche. Wenns soweit ist gibt es hier auch mal wieder ein zwei neue Bilder! ;)